Bolzenstiege: wie die Bolzentreppe an der Wand hält — Aufbau, Anforderungen an die Wand und Geländer

Bolzenstiege aus Holz mit tragendem Holzgeländer, Stufen an der Wand verankert

Eine Bolzenstiege wirkt, als würden die Stufen frei an der Wand schweben: keine Unterkonstruktion, keine Wange, viel Licht im Stiegenhaus. Möglich wird das, weil jede Stufe an der Wand verankert und auf der freien Seite über Bolzen mit der nächsten Stufe und mit dem Geländer verbunden ist. Ehrlich gesagt ist die Bolzenstiege aber keine Lösung für jede Wand und jeden Grundriss. Hier lesen Sie, wie eine Bolzentreppe trägt, was die Wand dafür können muss, warum das Geländer zur Statik gehört, wie sie sich beim Gehen anfühlt und wann eine Kragarmstiege oder eine Stahltreppe mit Holzstufen besser passt.

Was eine Bolzenstiege ist

Bei der Bolzenstiege, in Deutschland meist Bolzentreppe genannt, gibt es keine durchgehende Wange und keinen Holm unter den Stufen. Die Stufen tragen sich gemeinsam: an der Wandseite über Anker, die in der Wand sitzen, und an der freien Seite über Bolzen, die jede Stufe mit der darunter und der darüber liegenden verbinden. So entsteht eine Kette aus Stufen, die erst als Ganzes stabil ist. Sichtbar bleiben nur die Stufen selbst, die schlanken Bolzen und das Geländer.

Damit ist auch klar, worauf es bei dieser Stiege ankommt: auf die Verbindungen. Ein Brett, das an einer Seite in der Wand steckt und an der anderen Seite frei hängt, wäre keine Stiege. Erst das Zusammenspiel von Wandanker, Bolzen, Antritt am Boden und Austritt an der Decke macht daraus ein tragfähiges System. Bolzenstiegen lassen sich gerade, viertelgewendelt oder halbgewendelt ausführen, solange auf der ganzen Länge eine geeignete Wand daneben steht.

Wie die Bolzentreppe an der Wand hält

An der Wandseite sitzen Stahlanker, die je nach Wandmaterial verschraubt oder verklebt werden. Die Stufe liegt auf dem Anker auf und ist mit ihm fest verbunden. Zwischen Stahl und Holz bzw. zwischen Anker und Wand kommen in der Regel elastische Zwischenlagen. Sie sorgen dafür, dass der Schritt nicht ungebremst in die Wand weitergegeben wird.

An der freien Seite verbinden Distanzbolzen die Stufen untereinander. Bei vielen Ausführungen sind die Stufen dort zusätzlich über Geländerstäbe mit dem Handlauf verbunden. Der Handlauf ist dann nicht nur zum Festhalten da, sondern verteilt die Last über die ganze Stiege. Am Antritt ist die unterste Stufe fest am Boden verankert, am Austritt die oberste an der Decke. Die Kette ist also an beiden Enden gehalten. Wie viele Anker, welche Bolzen und welche Stufenstärke es braucht, legen wir für jede Stiege einzeln fest, bevor gefertigt wird.

Was die Wand für eine Bolzenstiege können muss

Die Wand trägt bei der Bolzenstiege einen großen Teil der Last. Deshalb ist sie die erste Frage, die wir beim Termin vor Ort klären. Die gängigen Fälle:

  • Ziegel und Beton: In der Regel gut geeignet. Bei Hochlochziegeln kommen Anker zum Einsatz, die für Lochsteine gedacht sind. Wie tief und wo genau verankert wird, hängt vom Ziegel ab.
  • Vollholzwand: Massives Holz über die ganze Wandfläche bietet an praktisch jeder Stelle Verankerungsgrund. Die Lage der Stufen lässt sich damit frei planen, ohne nach einem Steher suchen zu müssen.
  • Leichtwand mit Gipskarton: Ohne Verstärkung trägt sie eine Bolzenstiege nicht. Die Verstärkung muss in die Wand, bevor sie beplankt wird. Nachträglich heißt das: Wand öffnen, verstärken, wieder schließen.

Ein Punkt wird gern übersehen: Leitungen. Liegen in der Stiegenwand Strom- oder Wasserleitungen, müssen die Ankerpunkte darum herum geplant werden. Im Neubau ist das eine Frage der Abstimmung, in der Sanierung eine Frage der genauen Prüfung.

Wer ein Vollholzhaus von Thoma plant, hat bei der Bolzenstiege einen klaren Vorteil, solange die Stiege früh mitgedacht wird. Lage, Steigung und Wand werden dann gemeinsam festgelegt, und die Stiegenwand kann von Anfang an so ausgeführt werden, wie die Stiege sie braucht.

Das Geländer ist Teil der Statik

Bei vielen Bolzenstiegen ist das Geländer kein Zubehör, sondern Teil des Tragwerks. Die Stäbe verbinden die freien Stufenenden mit dem Handlauf, der Handlauf hält die Stufen zusammen. Das hat eine praktische Folge: Ein solches Geländer wird nicht einfach entfernt oder gegen ein anderes getauscht, ohne vorher zu prüfen, was es trägt.

Beim Material gibt es trotzdem Spielraum. Stäbe aus Stahl, pulverbeschichtet oder aus Edelstahl, kombiniert mit einem Handlauf aus Holz, sind die häufigste Lösung. Wer an der freien Seite ein Glasgeländer möchte, braucht eine Ausführung, bei der die Stufen ohne Hilfe des Geländers gehalten werden, denn Glas trägt hier nicht mit. An der Wandseite kommt meist ein zweiter Handlauf dazu, der den Alltag auf der Stiege spürbar leichter macht.

Holzarten und Stufen für die Bolzenstiege

Weil die Stufe bei der Bolzenstiege zwischen Wand und Bolzen frei spannt, ist sie in der Regel kräftiger als bei einer Stiege mit Wange. Die Holzart entscheidet über Optik, Härte und Preis. Eiche ist die häufigste Wahl, Esche wirkt heller und ruhiger, Nuss setzt einen dunklen Akzent, Buche ist hart, reagiert aber stärker auf Feuchte. Einen ehrlichen Vergleich der Hölzer finden Sie im Beitrag Holzarten für die Stiege.

Bei der Oberfläche geht es um den Alltag: Geölte Stufen lassen sich stellenweise nachbehandeln, lackierte sind pflegeleicht, zeigen Kratzer aber deutlicher. Eine leicht gebrochene Vorderkante und eine Oberfläche, die nicht spiegelglatt ist, machen die Stiege in Socken sicherer.

Gehgefühl und Trittschall

Klartext: Eine Bolzenstiege fühlt sich anders an als eine Betonstiege mit Holzbelag. Je nach Breite, Holz, Anzahl der Bolzen und Ausführung des Geländers kann sie beim Gehen minimal nachgeben. Bei einer sauber geplanten Stiege ist das kaum zu spüren, ganz starr ist sie aber nicht. Wer das von Anfang an weiß, ist später nicht überrascht.

Beim Trittschall helfen die elastischen Zwischenlagen an Ankern und Bolzen. Sie dämpfen, was über die Wand in die Nachbarräume gehen würde. So still wie eine massive Stiege wird eine Bolzenstiege trotzdem nicht. Steht auf der anderen Seite der Stiegenwand ein Schlafzimmer, besprechen wir das vorher.

Familien mit kleinen Kindern fragen oft nach den offenen Stufen. Die Abstände zwischen den Stufen und zwischen den Geländerstäben sind in der Bauordnung geregelt und werden bei der Planung eingehalten. Wer zusätzlich schließen möchte, etwa mit einer Setzstufe oder einem Zwischenstab, kann das mit uns abstimmen.

Bolzenstiege, Kragarmstiege oder Stahltreppe mit Holzstufen

Die Bolzenstiege steht zwischen zwei Verwandten. Die Kragarmstiege kommt an der freien Seite ganz ohne Verbindung aus: Jede Stufe ist nur in der Wand eingespannt. Das wirkt noch leichter, verlangt der Wand aber noch mehr ab und ist meist nur mit massiven Wänden umsetzbar. Die Stahltreppe mit Holzstufen geht den umgekehrten Weg: Wange oder Mittelholm aus Stahl tragen die Stiege, die Wand muss kaum etwas leisten.

Vereinfacht gesagt: Ist die Wand stark und soll die Stiege so leicht wie möglich wirken, kommt die Kragarmstiege infrage. Ist die Wand gut, aber nicht für eine Kragarmstiege ausgelegt, ist die Bolzenstiege oft der vernünftige Mittelweg. Kann die Wand wenig tragen oder steht die Stiege frei im Raum, ist ein Tragwerk aus Stahl ehrlicher.

Was den Preis einer Bolzenstiege bestimmt

Eine seriöse Preisangabe gibt es erst nach dem Aufmaß, deshalb nennen wir hier keine Zahl. Die Logik dahinter ist aber nachvollziehbar. Den Preis bestimmen vor allem:

  • die Anzahl der Stufen und die Form: gerade ist einfacher als viertel- oder halbgewendelt,
  • die Holzart und die Stufenstärke,
  • das Geländer: Material, Stabanzahl, zweiter Handlauf an der Wand,
  • die Wand: Verankerung in Beton oder Vollholz ist einfacher als eine Leichtwand, die erst verstärkt werden muss,
  • die Montage und die Situation vor Ort, etwa in einem bewohnten Haus.

Wer vergleichen will, sollte daher nicht nur auf die Stiege schauen, sondern fragen, ob Wandvorbereitung und Geländer im Angebot enthalten sind.

Zum Ablauf: Der ist bei uns immer gleich: Termin vor Ort, Prüfung der Wand, Aufmaß von Geschoßhöhe und Grundriss. Daraus entsteht ein Plan mit Steigung, Stufenform und Geländer, den wir mit Ihnen durchgehen. Erst wenn alles passt, fertigen wir die Stufen und Stahlteile in unserer Werkstatt. Die Montage vor Ort dauert dann deutlich kürzer als bei einer Stiege, die erst auf der Baustelle zusammengesetzt wird. Wie viele Bolzenstiegen wir schon umgesetzt haben, zeigt der Projektfilter „Bolzentreppe“ unter Stiegen und Geländer.

Bolzenstiegen sind eine Lösung für innen. Für Stiegen und Geländer im Freien, etwa an Balkon oder Terrasse, finden Sie unsere Arbeiten unter Rund ums Haus.

Häufige Fragen zur Bolzenstiege

Ist Bolzenstiege dasselbe wie Bolzentreppe?

Ja. In Österreich sagt man meist Stiege, in Deutschland Treppe. Gemeint ist dieselbe Bauweise: Stufen an der Wand verankert, an der freien Seite über Bolzen verbunden.

Kann ich eine Bolzenstiege an einer Gipskartonwand montieren lassen?

Nur, wenn die Wand verstärkt ist. Im Neubau wird die Verstärkung vor dem Beplanken eingeplant. In einer bestehenden Wand muss sie nachträglich eingesetzt werden, was die Wand öffnet. Wir prüfen das vor Ort und sagen Ihnen, was geht.

Kann ich das Geländer später weglassen oder tauschen?

Trägt das Geländer mit, nein, jedenfalls nicht ohne Ersatz. Ob es Teil der Statik ist, hängt von der Ausführung ab. Das steht im Plan Ihrer Stiege und sollte vor jeder Änderung geklärt werden.

Ist eine Bolzenstiege lauter als eine andere Holzstiege?

Sie gibt Schritte über die Wand weiter, deshalb kommen elastische Zwischenlagen zum Einsatz. Damit ist sie im Alltag gut erträglich. Leiser als eine Stiege mit eigenem Tragwerk, die die Wand gar nicht berührt, ist sie nicht.

Fazit: leicht wirkende Stiege, aber nur mit der richtigen Wand

Die Bolzenstiege bringt viel Licht ins Stiegenhaus und lässt den Raum offen wirken. Ihr Preis dafür ist eine Wand, die mitträgt, und ein Geländer, das oft zur Statik gehört. Wer beides von Anfang an plant, bekommt eine Stiege, die leicht aussieht und sicher geht. Wenn Sie eine Bolzenstiege überlegen, kommen wir zum Termin vor Ort in Niederösterreich, Oberösterreich und Wien, sehen uns die Wand an und sagen Ihnen klar, ob eine Bolzenstiege, eine Kragarmstiege oder eine Stahltreppe mit Holzstufen die bessere Wahl ist.