Mondholz: was hinter dem Einschlag nach Mondphase steckt — und was die Kritik sagt

Freitragende Vollholz-Treppe aus massivem Eichenholz mit Glasgeländer in einem hellen Wohnhaus

Mondholz ist Holz, das im Winter bei abnehmendem Mond geschlagen wird. Die einen schwören darauf, die anderen halten es für Aberglauben. Wir errichten Vollholzhäuser im System Thoma Holz100, das mit Mondholz arbeitet, und deshalb bekommen wir die Frage oft gestellt: Was ist dran? In diesem Beitrag trennen wir sauber, was überliefert ist, was gemessen wurde und was bei Holz tatsächlich über die Qualität entscheidet. Klartext, auch dort, wo die Antwort nicht nach Werbung klingt.

Was ist Mondholz genau?

Als Mondholz bezeichnet man Holz, dessen Schlägerungszeitpunkt sich nach Jahreszeit und Mondphase richtet. Die übliche Regel lautet: gefällt in der Saftruhe zwischen Dezember und Februar, und zwar in den Tagen vor Neumond, also bei abnehmendem Mond. Je nach Überlieferung gibt es feinere Kalender mit eigenen Tagen für Bauholz, für Brennholz oder für Holz, das möglichst wenig schwinden soll.

Wichtig für das Verständnis: Mondholz ist keine Holzart und kein Gütesiegel mit geprüftem Standard. Es ist eine Aussage über den Zeitpunkt des Einschlags. Fichte, Tanne, Lärche oder Zirbe können Mondholz sein, oder eben nicht. Was aus dem Stamm wird, hängt danach genauso an Sortierung, Trocknung und Verarbeitung wie bei jedem anderen Holz.

Woher die Regel kommt

Die Regel ist alt. Bauern, Zimmerer und Holzknechte im Alpenraum haben über Generationen Kalender geführt, in denen stand, wann Holz geschlagen wird. Dahinter steckt Erfahrung aus einer Zeit ohne Trockenkammer und ohne chemischen Holzschutz: Holz musste von selbst halten, weil es keine andere Möglichkeit gab.

Manche Regeln sind sehr konkret überliefert. Holz, das rund um den Thomastag am 21. Dezember geschlagen wird, soll besonders dauerhaft sein. Holz für Dachstühle und Schindeln wurde in den Wintermonaten vor Neumond gefällt. Solche Regeln sind ein Stück Handwerksgeschichte. Sie sind aber kein Messprotokoll, und genau hier beginnt die Diskussion.

Winter oder Mond: zwei Fragen, die man trennen muss

Wer über Mondholz spricht, vermischt meistens zwei Dinge. Erstens: Macht es einen Unterschied, ob Holz im Winter oder im Sommer geschlagen wird? Zweitens: Macht es innerhalb des Winters einen Unterschied, ob der Mond zu- oder abnimmt?

Die erste Frage ist weitgehend unstrittig. Im Winter ruht der Baum, der Saftstrom ist zum Erliegen gekommen, und bei Kälte trocknet frisch geschlagenes Holz langsamer an. Das verringert das Risiko für Risse beim Antrocknen und für Bläue, eine Pilzverfärbung, die bei warmer Witterung rasch ins frische Holz geht. Auch holzschädigende Insekten sind im Winter nicht aktiv. Deshalb schlägern Forstbetriebe in Österreich einen großen Teil ihres Holzes ohnehin zwischen November und Februar.

Die zweite Frage ist die eigentliche Mondholz-Frage. Und die ist deutlich schwerer zu beantworten.

Was die Forschung zu Mondholz sagt

Wissenschaftlich untersucht wurde das Thema mehrfach, mit gemischten Ergebnissen. Der Schweizer Holzforscher Ernst Zürcher hat in Versuchsreihen Hinweise gefunden, dass Holz, das zu bestimmten Mondphasen geschlagen wurde, beim Trocknen etwas anders Wasser abgibt und eine leicht höhere Dichte aufweist. Andere Untersuchungen, etwa an der Universität Freiburg im Breisgau, konnten bei größeren Stichproben keinen gesicherten Einfluss der Mondphase auf Dichte, Schwindverhalten oder Dauerhaftigkeit nachweisen.

Ehrlich zusammengefasst: Ein Mondphasen-Effekt ist nicht ausgeschlossen, aber er ist nicht belegt. Wenn es ihn gibt, ist er klein im Vergleich zu den Unterschieden, die durch Standort, Wuchs, Sortierung und Trocknung entstehen. Wer Ihnen verspricht, Mondholz sei nachweislich härter, dauerhafter oder rissfrei, sagt mehr, als die Forschung hergibt.

Was bei Holz tatsächlich über die Qualität entscheidet

Unabhängig vom Mond gibt es Faktoren, die messbar und nachprüfbar sind, und die Sie beim Holzhaus, bei einer Stiege oder bei einem Boden viel direkter spüren:

  • Wuchs und Standort: Langsam gewachsenes Holz aus höheren Lagen hat engere Jahresringe und ist in der Regel dichter und formstabiler.
  • Sortierung: Äste, Drehwuchs und Harzgallen entscheiden darüber, ob ein Brett tragen darf und wie stark es sich verzieht.
  • Trocknung: Holz, das zu schnell getrocknet wird, reißt. Holz, das zu feucht verarbeitet wird, schwindet später im fertigen Haus.
  • Holzfeuchte bei der Verarbeitung: Für beheizte Innenräume liegt sie grob bei 10 bis 12 Prozent. Weicht sie stark ab, arbeitet das Holz nach der Montage sichtbar, mit Fugen, Knarren oder Verzug.
  • Konstruktiver Holzschutz: Dachüberstand, Abstand zum Boden, Hinterlüftung. Das hält Holz im Freien länger trocken als jeder Kalendertag.

Das ist die unspektakuläre Wahrheit: Ein sauber sortiertes, langsam getrocknetes Winterholz, das konstruktiv richtig eingesetzt wird, ist einem schlecht getrockneten Mondholz jederzeit überlegen.

Mondholz bei Thoma Holz100: so arbeitet das System

Im System Thoma Holz100, mit dem wir unsere Vollholzhäuser errichten, wird Holz aus Wintereinschlag bei abnehmendem Mond verwendet. Die Wandelemente bestehen aus Nadelholzbrettern in mehreren Lagen, kreuzweise geschichtet und über Buchenholzdübel verbunden, ohne Leim und ohne Metallverbinder. Wie dieser Wandaufbau im Detail funktioniert, haben wir im Beitrag Vollholzhaus ohne Leim beschrieben.

Für die Mondholz-Frage ist beim System vor allem ein Punkt entscheidend: Die Dübelverbindung funktioniert nur, wenn das Holz trocken und formstabil ist. Die Buchendübel werden trockener eingesetzt als die Bretter, nehmen danach Feuchte auf und verkeilen sich dadurch im Holz. Hier zählt also die kontrollierte Holzfeuchte. Der Einschlagzeitpunkt ist ein Baustein davon, nicht der einzige. Mehr zu unseren Häusern finden Sie unter Vollholzhaus Thoma Holz100.

Thoma Holz100 und die Kritik: was man ehrlich sagen muss

Wer nach Kritik an Thoma Holz100 sucht, findet vor allem drei Punkte. Wir halten sie für berechtigte Fragen und beantworten sie so, wie wir sie auch im Beratungsgespräch beantworten.

Erstens: Der Mondholz-Effekt ist wissenschaftlich nicht belegt. Das stimmt, siehe oben. Ein Holz100-Haus ist nicht deshalb gut, weil das Holz bei abnehmendem Mond geschlagen wurde, sondern weil die Wand massiv, ohne Leim und aus trockenem, sortiertem Holz gefertigt ist. Die Mondphase ist Teil der Philosophie des Herstellers, kein Qualitätsbeweis.

Zweitens: der Preis. Eine massive Vollholzwand braucht deutlich mehr Holz als eine Holzriegelwand oder eine Wand aus Brettsperrholz mit Dämmung. Das schlägt sich im Preis nieder. Dafür bekommen Sie eine Wand, die gleichzeitig trägt, dämmt und durch ihre Masse Wärme speichert, je nach Wandstärke ohne zusätzliche Dämmschicht aus einem anderen Material. Ob Ihnen das den Aufpreis wert ist, ist eine ehrliche Rechnung, die wir mit Ihnen gemeinsam machen.

Drittens: die Werbesprache. Rund um Holzhäuser wird viel versprochen. Unsere Haltung: Wir sagen, was die Wand tatsächlich ist, nämlich Holz, Buchendübel, kein Klebstoff und keine Metallteile im Wandaufbau, und lassen die großen Versprechen weg.

Erwin Thoma und seine Bücher

Dass Mondholz im deutschsprachigen Raum wieder ein Thema ist, hat viel mit Erwin Thoma zu tun. Der österreichische Förster und Unternehmer hat die alten Einschlagregeln mit seinem Buch „Dich sah ich wachsen“ einem breiten Publikum bekannt gemacht. Später folgten weitere Bücher, unter anderem „Die geheime Sprache der Bäume“, in denen er über Wald, Holz und seine Erfahrungen schreibt.

Die Bücher sind lesenswert, wenn Sie verstehen wollen, woher die Idee hinter dem System kommt. Lesen Sie sie als das, was sie sind: persönliche Erfahrungsberichte eines Holzpraktikers, keine wissenschaftlichen Studien. Für die Entscheidung für oder gegen ein Vollholzhaus sind Wandaufbau, Planung und Ausführung wichtiger als jede Überzeugung.

Wann sich Mondholz für Sie lohnt, und wann nicht

Mondholz lohnt sich, wenn Sie ohnehin ein Vollholzhaus im System Holz100 planen: Dort ist es Standard und kein eigenes Aufpreisthema. Es lohnt sich auch, wenn Ihnen die handwerkliche Tradition wichtig ist und Sie bewusst Holz aus Wintereinschlag möchten, etwa für ein kleines Haus wie das Tiny-Haus Hoizhoamat.

Keinen Aufpreis wert ist Mondholz dort, wo Trocknung und Verarbeitung ohnehin den Ausschlag geben. Bei einer Stiege im beheizten Haus ist die Holzfeuchte vor der Verarbeitung der entscheidende Punkt. Darauf sollten Sie bei jedem Anbieter achten, auch bei uns. Mehr zu unseren Stiegen und Geländern finden Sie auf der Leistungsseite.

Für Terrasse, Carport, Pergola oder Fassade gilt dasselbe: Bei Holz rund ums Haus bringt der konstruktive Holzschutz mehr als der Kalender. Ein Dachüberstand, der das Holz vor Schlagregen schützt, wirkt jeden Tag, eine Mondphase beim Einschlag bestenfalls ein bisschen.

Häufige Fragen zu Mondholz

Ist Mondholz teurer als normales Holz?

Meistens ja, weil der Einschlag auf wenige Wochen im Jahr beschränkt ist und Lagerung und Lieferkette aufwendiger sind. Wie groß der Unterschied ist, hängt vom Sägewerk und von der Holzart ab. Im System Thoma Holz100 ist Mondholz im Preis enthalten.

Kann man Mondholz am fertigen Brett erkennen?

Nein. Mondholz ist am Brett nicht von Holz zu unterscheiden, das zu einem anderen Zeitpunkt im Winter geschlagen wurde. Sie sind auf die Angaben und die Dokumentation des Lieferanten angewiesen.

Reißt Mondholz weniger?

Ob Holz reißt, hängt vor allem von der Trocknung ab. Langsames Antrocknen im Winter hilft nachweislich, die Mondphase selbst ist als Ursache nicht belegt.

Braucht Mondholz keinen Holzschutz?

Im Freien braucht auch Mondholz konstruktiven Holzschutz: Dachüberstand, Abstand zum Boden und Flächen, von denen Wasser ablaufen kann. Im Innenraum ist bei trockenem Holz kein chemischer Holzschutz nötig. Das gilt aber für jedes trockene Holz, nicht nur für Mondholz.

Fazit: Mondholz ehrlich eingeordnet

Mondholz ist ein Stück Handwerkstradition mit einem wahren Kern: Holz aus dem Winter ist beim Antrocknen im Vorteil. Ob zusätzlich die Mondphase etwas bewirkt, ist nicht belegt. Für Ihr Haus entscheiden Wandaufbau, Trocknung und Ausführung, nicht der Kalender.

Wenn Sie überlegen, ein Vollholzhaus zu errichten, zeigen wir Ihnen gerne, wie eine Holz100-Wand im Detail geschichtet ist und was sie für Ihr Projekt kostet. Ohne Mondmythos, dafür mit ehrlichen Zahlen. Steinkogler errichtet Vollholzhäuser und fertigt die Stiegen dazu im eigenen Betrieb.